Das
Handels- und Geschäftsviertel gibt es schon seit über tausend
Jahren im Nikolaiviertel. Das Viertel ist nach dem Schutzpatron, dem Heiligen
Nikolaus benannt, dem zu Ehren 1220 bis 1230 die Nikolaikirche erbaut wurde.
Heute ist die älteste Kirche Berlins eine Außenstelle des Märkischen
Museums. Das Becken des Gründungsbrunnens vor der Turmfront der Sankt
Nikolai ist mit ältesten Berliner und Cöllner Zunftzeichen verziert.
1807 ließ sich selbst Karl Friedrich Schinkel architektonisch an
der Kirche aus. Ein weiteres Meisterwerk der Berliner Palaisarchitektur
des achtzehnten Jahrhunderts ist das Ephraimpalais, in dem Wechselausstellungen
gezeigt werden. Das Knoblauchhaus oder das durch Carl Gause errichtete
Kurfürstenhaus sind weitere Sehenswürdigkeiten neben vielen anderen
im Viertel. Viele berühmte Persönlichkeiten wie Theodor Fontane,
Wilhelm von Humboldt, Gotthold Ephraim Lessing, Heinrich Heine, Heinrich
Zille, Johann Wolfgang von Goethe verkehrten hier.
Das Nikolaiviertel wird von der Spandauer Straße, dem Mühlendamm, dem Spreeufer und der Rathausstraße umrahmt. Am Spreeufer befinden sich vor allem die Cafés und Restaurants. Die meist kleinteiligen und inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte findet man insbesondere an der Rathausstraße, Am Nußbaum und Probststraße.
Udo Pape, Inhaber des Cafés und Restaurants Spreeblick und Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Nikolaiviertel e.V., plant mit seinen Mitstreitern ein Nikolai-Fest vom 31. Mai bis 2. Juni 2002, das Berliner Traditionen, Originale, Künstler und Spezialitäten als Thema haben wird. So soll es z.B. Modeschauen Am Nußbaum geben und einen Kunstbazar mit Kunstauktionen zum Thema »Zille und sein Milljöh«. Anläßlich des internationalen Kindertages wird ein Kinderfest die dreitägige Veranstaltung vervollständigen. Bleibt zu hoffen, daß das Nikolaifest nach den Vorstellungen der Mitglieder der Aktionsgemeinschaft auch umgesetzt werden kann, denn der stark vom Tourismus abhängige Standort hatte mit den Folgen der Terroranschläge in den USA zu kämpfen. Die Zahl der Touristen aus Übersee nahm doch spürbar ab, so Udo Pape. Dennoch wird der Kopf nicht in den Sand gesteckt. So hat man gerade den Internetauftritt (www.berlin-nikolaiviertel.de) fertiggestellt und bemüht sich wiederholt um die Pflege der Bänke. Im nächsten Jahr werden zusätzlich neue Fahrradständer mit Hinweistafeln aufgestellt. Die Beschilderung für das Nikolaiviertel ist ein Manko. Anders als in der Altstadt Köpenick oder Spandau fehlen hier die Hinweisschilder dieser bedeutenden Ecke Berlins. Nötig wäre auch ein Hinweis auf die Wiege Berlins in den etwas entfernteren U-Bahnhöfen, da das Nikolaiviertel keine eigene S- oder U-Bahnstation hat. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist jedoch trotz dürftiger Wegweisung gut. Mit der S-Bahn, der U-Bahn, dem Bus und sogar mit der Straßenbahn ist das Viertel zu erreichen. Wenn man mal von den organisierten Bustouren absieht, so ist das Nikolaiviertel trotz seiner historischen Bedeutung noch nicht genügend bei Berlinbesuchern verankert, obwohl es seit dem Mauerfall die Touristen verstärkt nach Mitte zieht. Um so wichtiger ist die Arbeit der Aktionsgemeinschaft, mehr auf das Nikolaiviertel aufmerksam und es gerade für Touristen auch attraktiver zu machen.
Zweta Pfitzner, Pfitzner Ledermoden, möchte am liebsten auch am Sonntag für ihre Kunden öffnen dürfen, denn an diesem Tag hätten insbesondere ihre Kunden Zeit und Muße einzukaufen und schließlich stünde sie selbst hinter dem Ladentisch. Seit neun Jahren bietet Pfitzner Ledermoden hochwertige Lederbekleidung und den dazugehörigen Service im Nikolaiviertel an. Hochwertiges und Besonderes mit einem guten Service findet man hier und das ist auch das richtige Angebot für diesen Standort. Beispiele sind Fachgeschäfte wie Kugelei mit seinem besonderen Angebot an Festtagsschmuck und -dekorationen der feinen Art, Rosenthal Keramik und Anderes, Landpartie Boutique »J«, Antiquitäten & Teppiche, die Puppenstube, der Herrenladen, die Klöppelstube und Teddy's.
Von den Touristenströmen profitieren heute in erster Linie die Gastronomen und Geschäfte mit Souvenirartikeln wie z. B. der Alt-Berliner Laden. Die hochwertigen Anbieter sind eher benachteiligt, denn die meisten Bustouristen verzehren eine Mahlzeit und in der verbleibenden Zeit wird dann noch ein Souvenir gekauft. Die Ruhe und Muße haben diese Touristen meist nicht mehr, um sich mal in den interessanten Geschäften umzusehen, die es etwas neben den touristischen Trampelpfaden gibt. Hier steckt noch viel Potential. Gerade für die hochwertigen Geschäfte ist es aber auch wichtig, daß mehr Berliner Kunden auf das Einzelhandelsangebot aufmerksam werden und mit dem Nikolaiviertel eben nicht »nur« Gastronomie sowie Tourismus verbinden.
• Tanja Prillwitz
| So finden Sie Kontakt: |
| Aktionsgemeinschaft Nikolaiviertel
e.V.
Udo Pape Propststraße 9 10178 Berlin Tel. (030) 24 74 60 10 Fax (030) 24 74 60 130 E-Mail: aktionsgemeinschaft@berlin-nikolaiviertel.de Internet: www.berlin-nikolaiviertel.de |