Neue Technik führt zum umfassenden Umbruch in der
Reisebürobranche
Online-Nutzung ist die Chance für den Mittelstand
Während der ITB 2000 wurde deutlich,
wer jetzt nicht online geht, droht den Anschluss zu verpassen. Immer häufiger
ist das Internet Ausgangspunkt für eine Urlaubs- und Geschäftsreise
der Deutschen. So verzeichnen die großen Reiseanbieter im Netz eine
rasant steigende Anzahl an Online-Nutzern. Einzelne touristische Anbieter
im Internet konnten ihre virtuellen Besuche von Dezember 1999 auf Januar
2000 verdoppeln.
Die vielen Besuche schlagen sich
aber noch nicht in den tatsächlichen Buchungen nieder. Gemessen am
Umsatz steckt der Online-Reisehandel in Deutschland noch in den Anfängen.
Erst 2% der touristischen Erlöse werden via Internet erzielt. In den
nächsten Jahren soll dieser Anteil auf 10 bis 15% steigen. Der Gesamtumsatz
der Touristikbranche in Deutschland betrug im vergangenen Jahr rund 86
Mrd. DM und dieser wird weiter anwachsen.
Die Suche nach aktuellen und preiswerten
Angeboten sorgt für den Erfolg der virtuellen Reiseanbieter. Einige
Internetplattformen verfügen über mehr als eine Million verfügbarer
Tourismusangebote, eine Grenze nach oben ist nicht in Sicht. Zu den Reiseangeboten
der virtuellen Agenturen zählen Flug-, Pauschal-, Last Minute- und
Spezialreiseangebote. Zusätzlich können Mietwagen, Hotels sowie
Events gebucht werden.
Die Tourismusplattformen im Internet
sind auch deswegen so beliebt, weil sie neben den eigentlichen Reiseangeboten
eine Vielzahl von Informations- und Serviceleistungen bieten. Zu den Dienstleistungen
gehören zum Beispiel Wetterinformationen, Reise- und Videoguides,
Webkameras, Mitreisebörse und Mailfunktionen. Einige Anbieter bieten
sogar Freizeit- und Reiseartikel im angeschlossenen Ausrüstungs- und
Outdoorshop, die bei der Reisebuchung gleich mitbestellt werden können.
Die Grenzen zwischen Informationen, Produkten und Dienstleistungen aus
der Tourismus- und Freizeitbranche sind fließend.
Schnelligkeit schlägt Größe
des Anbieters
Der virtuelle Tourismusmarkt bietet für
den Mittelstand eine doppelte Chance: Erstens bieten professionelle Tourismusplattformen
die Möglichkeit der Kooperation für spezialisierte klein- und
mittelständische Tourismusanbieter. Durch die intelligente Verknüpfung
der Reiseangebote über die ganze Wertschöpfungskette einer Reise
hinweg entstehen neue virtuelle Unternehmensgemeinschaften. Auf diesem
Wege können die vielen Bausteine des umfangreichen Produktes Geschäfts-
oder Urlaubsreise von verschiedenen Einzelanbietern zu einem stimmigen
Gesamtangebot zusammengefügt werden.
Die zweite Chance für die mittelständisch
geprägten Tourismusanbieter liegt in der individuellen Zielgruppenansprache.
Der anspruchsvolle Kunde verfügt in der Regel über eine breite
Reiseerfahrung und hat genaue Vorstellungen von der Qualität des Produktes.
Im Internet können die virtuellen Reiseangebote, oftmals im Baukastensystem
sortiert, von dem potentiellen Gast ganz nach seinen individuellen Wünschen
zusammengestellt werden. Bei mehrmaligen Besuchen kann der Gast ein Reiseprofil
hinterlassen, das ihm zukünftig die Reiseauswahl weiter erleichtert.
Unterstützt werden die Wiederholungsbesuche der Surfer durch Kundenbindungsprogramme.
Sie reichen von der Gewährung bestimmter »Webmiles« oder
Bonuspunkten bei Onlinebuchung bis zu virtuellen Preisausschreiben mit
Weltreisen als Hauptgewinn.
Konkurrenzkampf nimmt zu
Der virtuelle Auftritt eines Tourismusanbieters
ist jedoch längst kein Selbstläufer mehr. Die Vielzahl neuer
Anbieter in diesem dynamischen Marktsegment verspricht nur professionellen
Auftritten echte Erfolgsaussichten. Zu den zentralen Erfolgsfaktoren zählen
die Aktualität der Informationen und Angebote, das Navigationskonzept
sowie die Angebotsbreite und -tiefe. Erfolgreiche Anbieter müssen
daher tagesaktuelle Informationen bieten, die für den reisefreudigen
Surfer mit wenigen Mausklicken erreichbar sind und konkreten Mehrwert präsentieren.
Wenig Resonanz finden daher zum Beispiel Hotelangebote, die lediglich aus
einem älteren Foto mit Festpreisen der abgelaufenen Saison und einer
unbekannten Internetadresse zu finden sind.
Onlineangebote und Callcenter verändern
die Vertriebswege
Durch die vielfältigen Informations-
und Serviceangebote der Online-Reisebüros rechnen Experten mit einer
starken Veränderung der Vertriebswege, insbesondere zu Lasten der
klassischen Reisebüros. Andererseits kann die Beraterfunktion der
Expedienten in kleineren Reisebüros durch den Einsatz der neuen Informations-
und Kommunikationstechniken unterstützt werden. Besonders bei anspruchsvollen
Reiseberatungen stellen aktuelle Zielgebietsinformationen für den
Expedienten eine wertvolle Hilfe dar.
Auch der Reisedirektvertrieb wird in
Zukunft den Vertriebsmix in der Tourismusbranche verändern. Immer
mehr branchenfremde Partner von Reiseunternehmen wie Tankstellen oder Medienanstalten
bieten Freizeit- und Urlaubsangebote. Vom ersten Kundenkontakt via Callcenter
des Direktanbieters über die Reisebuchung bis zur Rückreise werden
die Gäste telefonisch oder virtuell betreut. ·[A.B./luc]
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