Lissabon-Strategie
Globalisierung, Anstieg der Wettbewerbsintensität, Übergang zur Wissensgesellschaft, Mangel an Rohstoffen und ein sich vollziehender demographischer Wandel- aus diesen Herausforderungen, vor denen Europa steht, resultieren Chancen für den europäischen Wirtschaftsraum, die es zu nutzen gilt: Internationale Geschäftsbeziehungen sowie der Aufbau von Firmenstandorten im EU-Ausland können vereinfacht werden, ebenso die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte; ein leichter Arbeitsplatzwechsel ins EU-Ausland ermöglicht eine grenzüberschreitende Fortsetzung der Bildungskarriere und es kann sich ein europaweiter Arbeitsmarkt bilden.Ziel der Lissabon-Strategie
Europa soll bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten, dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt entwickelt werden - dafür sind die Etablierung und die Gestaltung eines europäischen Bildungsraumes essentiell.
Mithilfe verschiedener Instrumente der Lissabon-Strategie soll der europäische Wirtschaftsraum dazu befähigt werden, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen zu erreichen und den sozialen Zusammenhalt zu fördern.
ECTS für den Hochschulbereich (European Credit Transfer and Accumulation System)
Das ECTS soll sicherstellen, dass die Leistungen von Studenten an Hochschulen des europäischen Hochschulraums grenzüberschreitend vergleichbar und anrechenbar sind. Des Weiteren soll es Studienabbrechern und Arbeitgebern ermöglichen, Studienleistungen zu bewerten bzw. sie einzuordnen. Das System rechnet mit Leistungspunkten (LPs oder auch credit points, CPs), welche durch Leistungsnachweise erworben werden: Sie werden für erfolgreich absolvierte Module vergeben; ein LP entspricht dabei dem Aufwand von 25-30 Arbeitsstunden.
ECVET für den Berufsbildungsbereich (European Credit System for Vocational Education and Training)
ECVET, ein Leistungspunktesystem für die Berufsbildung, steht in Entwicklung und Umsetzung in engem Zusammenhang mit dem EQR. Seit 2005 wird ein Instrument entwickelt, welches die Übertragung, Validierung und Anerkennung von Leistungsergebnissen erleichtert. Mit den Zielen, die Ausbildungsmobilität zu fördern, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu steigern, eine Anerkennung der beruflichen Ausbildung zur hochschulischen Ausbildung zu definieren sowie das lebenslange Lernen zu ermöglichen, richtet es sich besonders an Personen, die im Zuge einer Mobilitätsphase aus einem Lernkontext in einen anderen oder aus einem Qualifikationssystem in ein anderes wechseln wollen. Die Mobilität der Arbeitnehmer ist für ein wirtschaftliches Vorankommen der EU und für eine europäische Identität sehr wichtig! Den Ansatz des ECTS nimmt das ECVET auf; Qualifikationen sollen hier jedoch durch erzielte Lernergebnisse und Kompetenzen und nicht durch den zum Qualifikationserwerb notwendigen Aufwand beschrieben werden.
Wie funktioniert das ECVET?
Bildungsziele werden als Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten formuliert. Sie bewegen sich auf unterschiedlichen Referenzniveaus und werden als Einheiten (Units) zusammengefasst und organisiert. Ein vollständiger Bildungsgang setzt sich dabei zusammen aus Units, Modulen und informellen Lernprozessen. Zwischen Ausbildungsstätten und Bildungseinrichtungen werden Vereinbarungen getroffen, um wechselseitige Anerkennung und Austausch zu sichern.
Weitere Instrumente sind das Lebenslange Lernen und die Entwicklung eines Europäischen sowie eines Nationalen Qualifikationsrahmens (siehe nebenstehenden Link).
Kernziele der Lissabon-Strategie
- Investitionen in den Bereichen Forschung, Bildung und Innovation sollen 3% des jeweiligen BIPs betragen
- Die Flexibilisierung der Arbeitsmärkte soll vorangetrieben werden, die Sozialsysteme sollen mehr Anreize für Beschäftigung bieten
- Die Dienstleistungsmärkte in Europa sollen weiter geöffnet werden
- Bürokratieabbau
- Wirtschaftswachstum und Umweltschutz sollen in Einklang gebracht werden
Als übergeordnete bildungspolitische Ziele wurden besonders die Qualitätssicherung und die Weiterentwicklung der Bildungssysteme in der EU vereinbart. Der Zugang zu den Bildungssystemen und -möglichkeiten soll für alle EU-Bürger erleichtert werden.
Ziele europaweit nicht erreicht
Im ersten Schritt wurden Benchmarks mit der Zielerreichnug bis 2010 festgelegt. Die Fortschritte der Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission wurden jährlich durch den Europäischen Rat überprüft. Die Berichte der Kommission haben ergeben, dass die meisten Zielvorgaben, die der Rat für das Jahr 2010 festgelegt hat, von den europäischen Mirgliedsstaaten nicht erreicht wurden.
- Senkung der durchschnittlichen EU-Schulabbrecher-Quote auf höchstens 10%
- Steigerung der Gesamtzahl der EU-Hochschulabsolventen in Technik, Mathematik und Naturwissenschaften bei gleichzeitiger Verringerung des Ungleichgewichts zwischen den Geschlechtern um mindestens 15%
- Erhöhung des Anteils Jugendlicher mit Abschluss der Sekundarstufe II auf mindestens 85%
- Senkung des Anteils leseschwacher Schüler um mindestens 20%
- Erhöhung des Anteils der erwerbstätigen Bevölkerung am Programm „Lebenslanges Lernen“ auf mindestens 18,5%
Während die Benchmarks für Absolventen mathematischer, naturwisenschaftlicher und technischer Fächer bereits 2003 übertroffen wurde, sind die Fortschritte bei der Schulabbrecherquote, dem Abschluß der Sekundarstufe II und der Beteiligung Erwachsener am lebenslangen Lernen nicht ausreichend, um die Benchmarks zu erfüllen. Der Anteil der Schüler mit schlechten Leseleistungen ist sogar noch gestiegen.
Auf Grundlage der Konsultationsergebnisse schlägt die europäische Kommission vor, die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und der beruflichen Bildung in der Zeit bis 2020 an vier strategischen Herausforderungen auszurichten:
- Lebenslanges Lernen und die Mobilität von Lernenden Wirklichkeit werden lassen
- Die Qualität und die Effizienz des Bildungsangebots und seiner Ergebnisse verbessern
- Gerechtigkeit und aktiven Bürgersinn fördern
- Innovation und Kreativität (einschließlich unternehmerischen Denkens) auf allen Ebenen der allgemeinen und der beruflichen Bildung fördern
Benchmarks mit der Zielerreichung 2020
- Senkung der frühzeitigen EU-Schul- und Ausbildungsabgänger-Quote auf durchschnittlich höchstens 10%
- Senkung des Anteils der Schüler mit schlechten Leistungen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften auf unter 15%
- Steigerung der Gesamtzahl der EU-Hochschulabsolventen, unter Berücksichtigung der gleichwertigen Bedeutung der beruflichen Aus– und Weiterbildung, auf mindestens 40%
- Erhöhung des Anteils der Kinder mit Vorschulbildung auf mindestens 95%
- Erhöhung des durchschnittlichen Anteils der erwachsenen EU-Bevölkerung am Programm „Lebenslanges Lernen“ auf mindestens 15%
Neben diesen beschlossenen fünf Benchmarks sollen für die folgenden drei Bereiche zusätzliche Benchmarks bis Ende 2010 bzw. Ende 2012 von der Europäischen Kommission entwickelt werden:
1. Mobilität
2. Fremdsprachenerwerb
3. Beschäftigungsfähigkeit
Mit Hilfe dieser neuen europäischen Benchmarks für 2020 sollen die erwünschten Fortschritte in der allgemeinen und beruflichen Bildung erreicht werden. Als übergeordnetes Ziel gilt es, einen europäischen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen und Europa zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.
Stand: 19.01.2009

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