Leistungspunktesystem in der beruflichen Bildung
Anerkennung und Anrechnung von beruflichen Bildungsleistungen auf Hochschulstudiengänge
Berufliche Bildung und akademische Bildung sind nicht miteinander verzahnt. Mit wenigen Ausnahmen werden berufliche Bildungsleistungen nicht auf akademische Abschlüsse anerkannt und angerechnet – und umgekehrt auch nicht! Inhaltliche Überschneidungen in den Curricula finden i.d.R. keine Anerkennung. Das ist erstens hinsichtlich Aufwand und Kosten nicht ökonomisch. Damit werden zweitens insbesondere berufliche Bildungsleistungen nicht leistungsgerecht bewertet.
Deutschland steht angesichts der demografischen Entwicklung vor der Herausforderung,
durch ein optimiertes Bildungssystem seine Humanressourcen wesentlich effizienter
zu nutzen. Kernelemente sind, dass die Menschen länger arbeiten, ein Leben
lang lernen und dass Bildungswerdegänge zielgerichtet, ökonomisch
und effizient verlaufen.
Dieser Ansatz findet sich in der europäischen Bildungspolitik (Bologna-Prozess)
wieder mit dem Ziel der grenzüberschreitenden Anerkennung und Anrechnung
von beruflichen bzw. akademischen Bildungsleistungen (ECVET - European Credit
System for Vocational Education and Training). In Deutschland hat das Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF) im Verein mit der Kultusministerkonferenz
(KMK) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) die Hochschulen aufgefordert,
berufliche Fortbildungsleistungen grundsätzlich auf Hochschulstudienabschlüsse
anzuerkennen und anzurechnen. Die Bildungssysteme sollen durchlässiger
werden.
Berufliche Bildungsleistungen wie die IHK-Abschlüsse werden einem vereinbarten Niveau zugeordnet und in angemessenem Umfang auf den Hochschulzugang sowie auf Studiengänge und -abschlüsse anerkannt und angerechnet – und umgekehrt! Dazu müssen sich Wirtschaft und Hochschulen zusammensetzen und sich auf Anrechnungskriterien und -maßstäbe verständigen. Es ist empfehlenswert, sich in der beruflichen Bildung am Leistungspunktesystem gemäß ECTS (European Credit Transfer System) zu orientieren, das sich europaweit in den Hochschulen durchsetzt.
ECVET für den Berufsbildungsbereich
ECVET, ein Leistungspunktesystem für die Berufsbildung, steht in Entwicklung und Umsetzung in engem Zusammenhang mit dem EQR. Seit 2005 wird ein Instrument entwickelt, welches die Übertragung, Validierung und Anerkennung von Leistungsergebnissen erleichtert. Mit den Zielen, die Ausbildungsmobilität zu fördern, die Attraktivität der beruflichen Bildung zu steigern, eine Anerkennung der beruflichen Ausbildung zur hochschulischen Ausbildung zu definieren sowie das lebenslange Lernen zu ermöglichen, richtet es sich besonders an Personen, die im Zuge einer Mobilitätsphase aus einem Lernkontext in einen anderen oder aus einem Qualifikationssystem in ein anderes wechseln wollen.
Wie funktioniert das ECVET?
Bildungsziele werden als Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten formuliert. Sie bewegen sich auf unterschiedlichen Referenzniveaus und werden als Einheiten (Units) zusammengefasst und organisiert. Ein vollständiger Bildungsgang setzt sich dabei zusammen aus Units, Modulen und informellen Lernprozessen.
Von erheblicher Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Fortschritte
bei verwandten Themen:
§ Europäischer Qualifikationsrahmen (EQF)
§ Nationaler Qualifikationsrahmen
§ europass
§ Klassifizierung von Bildungsabschlüssen
Stand: 01.04.2009

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