Europäischer Qualifikationsrahmen
Um die europäische Idee und das europäische Bildungssystem zu stärken sind im Zuge des Kopenhagen-Prozesses Veränderungen in der europäischen Bildungspolitik angestossen worden und „Instrumente“ entwickelt worden, welche die Transparenz und die Möglichkeit einer Vergleichbarkeit der beruflichen Bildung unterstützen. Dieser Prozeß wird gelenkt von der europäischen Kommission und unterstützt durch die Bildungsminister der EU-Mitgliedsstaaten.
Zwei Intrumente sind wesentlich:
- der Europäische Referenzrahmen für die Qualifikationsniveaus (EQF - European Qualification Framework) und
- das Europäische Kreditpunktesystem für die berufliche Bildung (ECVET - European Credit System for Vocational Training).
Die Europäische Kommission hat im Juli 2005 das Konsultationsverfahren zum Europäischen Qualifikationsrahmen eröffnet. Der europäische Qualifikationsrahmen soll künftig als Kommunikations- und Übersetzungsinstrument für die in den unterschiedlichen Systemen, Ländern und Sektoren erworbenen Qualifikationen dienen. Der EQF soll die Verständigung zwischen den europäischen Bildungspartnern erleichtern, eine Vergleichbarkeit möglich machen und die Einschätzung ausländischer Bildungsangebote einschätzbar machen. Hauptsächlich soll er die Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt fördern. Ziel muss es daher sein, erworbene Qualifikationen und die dahinter stehenden Kompetenzen lesbar zu machen, so dass nicht mehr beschrieben wird, wie, wann, wo und wie lange jemand gelernt hat, sondern ersichtlich wird, was genau er kann.Für die Betriebe wird der Europäische Rahmen zwar erst in seiner nationalen Umsetzung direkt relevant; um die Abschlüsse der dualen Aus- und Weiterbildung adäquat in Europa einordnen zu können, muss allerdings frühzeitig auf den Entwurf der Europäischen Kommission Einfluss genommen werden.
Der Entwurf der Europäischen Kommission sieht vor:
- Acht Niveaustufen, die sowohl die berufliche als auch die allgemeine Bildung umfassen
- Orientierung an den Lernergebnissen
- Beschreibung der Lernergebnisse anhand sogenannter „Deskriptoren“ (Kenntnisse, Fertigkeiten, persönliche und fachliche Kompetenzen)
Bewertung des Entwurfs aus Sicht der Wirtschaft
Die Orientierung an Lernergebnissen – also die Frage, welche Kompetenz jemand mitbringt und nicht welchen Lernweg jemand gegangen ist – wird im Vorschlag nicht konsequent verfolgt. Die Beschreibungen der oberen Stufen sind stark an den Bologna-Vorgaben der Hochschulen orientiert und folgen somit nicht lückenlos der Generierung von beruflicher Handlungskompetenz. Schulisch geprägte Bildungssysteme werden unberechtigterweise bevorzugt und Systeme mit einer starken dualen Berufsbildung benachteiligt. Die Formulierung von Qualifikationen nach den „Deskriptoren“ ist äußerst kompliziert – ein Konsens über die Umsetzung besteht nicht – eine Verbindung zu einem Leistungspunktesystem bleibt ungeklärt
Wenn ein Europäischer Qualifikationsrahmen bei den Unternehmen Akzeptanz finden soll, muss er folgende Anforderungen erfüllen: Die Einordnung der Abschlüsse der dualen Ausbildung und praxisnahen Weiterbildung muss in einem von schulischen Systemen dominierten europäischen Raum angemessen möglich sein .Er muss als echtes Transparenzinstrument einen deutlichen Mehrwert für die Unternehmen und den einzelnen Bildungsteilnehmer bieten. Und er muss einfach zu handhaben und übersichtlich sein. Er darf das deutsche Bildungssystem nicht zusätzlich bürokratisieren.Zur Bewertung des Vorschlages der Europäischen Kommission haben die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft bereits frühzeitig ein eigenes Rahmenmodell entwickelt und in die europäische Diskussion eingebracht. Die IHK-Organisation wird ihre Position entsprechend in den Konsultationsprozess zum EQF-Vorschlag der Europäischen Kommission einbringen, damit die europäische Vorgabe für die nationale Umsetzung „stimmt“ und ein Mehrwert für die Berufsbildungspraxis erzielt wird. Dazu liegt eine dezidierte Lobbying-Strategie vor. Der EQF kann und wird nicht alle deutschen Besonderheiten berücksichtigen, deshalb muss die IHK-Organisation eigene Vorstellungen für die nationale Ausgestaltung entwickeln.
Stand: 11.02.2008

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